Was ist Asperger?

Uns gefällt die Perspektive von Tony Attwood sehr gut.

Menschen die vom Asperger-Syndrom betroffen sind, haben eine andere - keine fehlerhafte - Art zu denken. Sie sind in ihrem Wesen und in ihrem Verhalten anders als die neurotypisch veranlagten Menschen.

Für uns fühlt es sich an als ob wir in zwei verschiedenen Kulturen unterwegs sind. Jede Kultur hat ihre Werte im Hintergrund, welche zu einem spezifischen Verhalten führen.

Aus der klinischen Sicht sprechen wir von einer Störung aus dem autistischen Formenkreis / Auf dem Autismus-Spektrum. Früher wurde sie als "leichter Autimsus" bezeichnet, wobei es für die Betroffenen extrem harte Arbeit ist, sich als leichter Autist in einem neurotypischen Umfeld anzupassen. Dies vor allem dann wenn den Betroffenen nicht klar ist, dass sie in diesen Formenkreis gehören. Sie fühlen sich dann als abnormal, als ungenügend, als nicht konform und versuchen unter Aufbringen all ihrer Kräfte, sich irgendwie anzupassen.

Tony Attwood bezeichnet die Asperger-Betroffenen liebevoll als Aspis und die neurotypisch Veranlagten als NT's.

Aspis haben oft eine grosses Bedürfnis nach Wissen, Wahrheit, Gerechtigkeit und Perfektion. Ihnen sind andere Dinge wichtig als den NT's. Dazu gehört auch eine andere Wahrnehmung und Bewertung von Situationen und Begegnungen. So kann es sein, dass für sie die Lösung eines faktischen Problems wichtiger ist als die Pflege von sozialen Beziehungen.

Asperger-Betroffene fokussieren eher auf Details als auf das grosse Ganze und können so auch mal den Überblick verlieren. Sie sind bekannt dafür eine direkte Sprache zu verwenden, ehrlich und loyal zu sein. Soziale Gerechtigkeit ist ihnen sehr wichtig.

Oft suchen Aspis aktiv nach dem Allein-Sein, dies um sich vor den vielen Sinnesreizen unserer Welt zu schützen und vor allem, um Ihrem Spezialinteresse nachzugehen. Die meisten Apserger haben ein Interessengebiet, in welchem sie sehr gut informiert sind und scheinbar alles wissen und auch alles Wissen aufsaugen.

Doch sind auch ehrliche und loyale Freundschaften möglich.

Wir sind überzeugt dass ein Eintauchen in die Kultur des jeweils Anderen eine grosse Bereicherung ist, auch wenn es manchmal nicht einfach ist wenn wir anders ticken.

Suzanne Ruf & Michael Wolfensberger